Wein Anbaugebiet Thermenregion Niederösterreich
Das Weinanbaugebiet Niederösterreich ist das größte Weinanbaugebiet Österreichs. Mit seinen 30.000 Hektar stellt Niederösterreich knapp 65 Prozent der österreichischen Weinanbaufläche. Ca. 80 Prozent (knapp 25.000 Hektar) der Anbaufläche dienen der Weißweinerzeugung. Die Thermenregion Niederösterreichs umfasst von dieser Fläche ca. 2.500 Hektar Anbaufläche und erstreckt sich an den Ausläufern des Wienerwaldes vom Süden Wiens über Mödling, Baden, Ebereichsdorf bis über das ca. 50 km südlich Wiens gelegene Wiener Neustadt. Ca. 1.300 Weinbaubetriebe bewirtschaften die Anbauflächen der Thermenregion.
Der Weinanbau in der Thermenregion verweist auf eine lange Geschichte. Bereits vor mehr als 2.000 Jahren wurden die ersten Weinstöcke durch in dieser Gegend stationierte römische Legionäre in dem sonnenreichen Gebiet südlich von Wien kultiviert. Auch der Name Thermenregion rührt von den römischen Thermalbädern in Baden (früher Aquae) und den schwefelhaltigen heißen Quellen der gesamten Region. 1141 gründeten Zisterziensermönche das Freigut Thallern, eines der ältesten Weingüter Österreichs. Im 13. Jh. erhielt das Gebiet die Genehmigung zum Weinausschenken. Bereits damals kam der Brauch auf, durch einen Föhrenbusch den Verkauf von Eigenbauwein anzuzeigen. Später, zur Zeit der Türkenkriege (16. Jh. bis 17. Jh.), wurden viele der Rebanlagen wieder vernichtet. Erst ab 1760 wurde durch den Deutschen Orden ein gezielter Wiederaufbau durch die Pflanzung von Blauburgunder betrieben. Mit dem Weingesetz von 1985 wurden die Weinanbaugebiete Gumpoldskirchen und Bad Vöslau zur Thermenregion zusammengelegt.
Das Klima der Thermenregion ist geprägt durch warme Sommer, einen trockenen Herbst und milde Winter. Bis zu 2.000 Sonnenstunden im Jahr sowie eine ständige Luftbewegung, die im Herbst die Trauben nach Regen oder Tau schnell trocknen lässt, machen das Gebiet zu einem optimalen Weinanbaustandort mit langen Reifezeiten. Bei den relativ schweren Böden (lehmige Tone, sandige Lehme und Braunerde mit hohem Muschelkalkgehalt) bewirkt vor allem der darunter liegende Verwitterungsschutt sowie tiefe Schichten von Schwemmland eine optimale Entwässerung und Durchwärmung der Böden. Diese speziellen Gegebenheiten sind entscheidend für die Qualität und den besonderen Charakter der einzelnen Rebsorten.
Heute sind die weißen Rebsorten Zierfandler (Spätrot), Rotgipfler und Neuburger sowie die roten Rebsorten Blauer Portugieser (früher: Vöslauer), St. Laurent, Blauer Zweigelt und Merlot die Hauptanbausorten der Region. Der Zierfandler, ein goldgelber, würziger Weißwein mit ausgeprägtem Fruchtbouquet sowie der Rotgipfler, eine natürliche Kreuzung von Traminer und Rotem Veltliner sind vor allem mit dem Weinort Gumpoldskirchen verbunden. Als Cuvée gehen diese Weine die legendäre Liaison Spätrot-Rotgipfler ein. Zentren des Rotweinanbaus sind die Orte Bad Vöslau, Tattendorf und Sooß.
